Militärs



Oberjäger Schüller:

Der soeben frisch beförderte Oberjäger Schüller war als reisender Student eigentlich auf dem Rückweg zu seinem Studienort, der altehrwürdigen Universitätsstadt Helmstedt, als er sich in einer Wolfenbütteler Taverne bei mehreren Stübchen heimischen Bieres auf ein nachteiliges Kartenspiel mit einer Gruppe braunschweigischer Soldaten einließ. Nach dem Verlust seiner gesamten Barschaft überredete ihn dann der Gewinner derselbigen, ein gewisser Jäger Behre, den Schaden durch Annahme des Handgeldes bei Eintritt in die Braunschweiger Armee wieder wett zu machen. Schüller, der als Mitglied eines – geheimen – Studentenordens bereits zahlreiche Duelle hinter sich hat, sieht den Kriegszug gegen die Rebellen ganz pragmatisch als Ehrenhandel zwischen dem englischen König und den aufständischen Kolonisten, in dem nun auch er seinen Mann zu stehen hat. Im übrigen hegt er die Absicht, sein nunmehr zwangsläufig unterbrochenes Universitätsstudium nach seiner zweifellos baldigen Rückkehr umgehend fortzusetzen, nicht ohne zwischenzeitlich seinen unbändigen Wissensdurst durch praktische Lebenserfahrung und das Bereisen der fernen englischen Kolonien gestillt zu haben. Inzwischen haben sein Pragmatismus, sein deutlich gezeigtes Interesse für die Militärwissenschaften und ganz im Speziellen sein hervorragendes taktisches Verständnis bei Umsetzung der ihm erteilten Aufgaben seine Vorgesetzten dazu bewogen, ihn bereits nach relativ kurzer Dienstzeit zum Oberjäger zu befördern - eine Entscheidung übrigens, die seine früheren Kameraden und jetzigen Untergebenen mit Zufriedenheit erfüllt und von diesen in vollem Umfang respektiert wird.




Hornbläser Sperlich:

Hornbläser Sperlich ist Musiker mit Leib und Seele und hat Dank dieser Passion schon ein bewegtes Leben hinter sich. Ursprünglich Kirchenmusikus an der Wolfenbüttler Hauptkirche Beatae Mariae Virginis begann er nach dem Siebenjährigem Krieg eine Karriere als aufstrebender Hofmusiker an den fürstlichen Residenzen zu Braunschweig, Hannover und Bückeburg. Ein Jahr lang füllte er sogar das Amt des zweiten Kapellmeister am Residenzschloß in Celle aus. Bedauerlicherweise bescherte ihm der unerwartet frühe Tod der dorthin verbannten Welfenprinzessin und dänischen Königin Caroline Mathilde letzthin einen unerwarteten Karriereknick, der ihn zurück ins Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel führte. Da dort wider Erwarten - und aufgrund von Intrigen persönlicher Neider - die zugesagte Stelle im Hoforchester nicht frei war, musste er sich in den Monaten August bis Dezember 1775 als Musiklehrer verzogener junger Adliger und frecher Patriziersöhne mehr recht als schlecht durchschlagen. Diesen Lebens überdrüssig hat er im Januar 1776 spontan des Herzogs Rock genommen und ist der Jägerkompanie als etatmäßiger Waldhornbläser beigetreten. Sperlich beherrscht jedoch nicht nur das Waldhorn sondern auch manch anderes Instrument meisterlich und ist im Kreise seiner Kameraden hochbeliebt, da er mit seiner Kunst nicht geizt und selbigen gerne mal ein Ständchen bringt.




Jäger Alsleben:

Jäger Alsleben hat es aus den Schreibstuben und Kontoren einer nicht näher genannten herzoglichen Brandkasse zur Truppe verschlagen, da er der Eintönigkeit und Langeweile seiner Tätigkeit als Kontorist zu entfliehen wünschte. Auch er hat im Siebenjährigen Krieg bereits einige Monate gedient, allerdings bei den preußischen Musketiers, lässt dies aber selten durchklingen. Seine privaten Hoffnungen und Wünsche hinsichtlich des Kriegszuges in Amerika behält er meist für sich, liebäugelt aber wohl damit, einst mit reicher Beute als gemachter Mann heimzukehren.




Jäger Behre:

Jäger Behre hat schon vieles hinter sich. Er war Trainsoldat, Student, Fuhrmann, Schreiber, Zahlmeistergehilfe der V.O.C. (Vereenigde Oostindische Compagnie), Waldarbeiter und zuletzt sogar Gehilfe eines braunschweigischen Straßenbauingeneurs. Er hat für jedes Problem eine Lösung parat und sei es nur eine mehr oder weniger sinnvolle Lebensweisheit („Wer Würmer hat, ist nie allein…“). Obgleich als Ur-Wolfenbütteler Braunschweiger Bürger reinsten Wassers begreift er den Krieg in den englischen Kolonien als weitere Chance, Neues kennen zu lernen und spielt durchaus mit dem Gedanken, nach Kriegsende dort zu bleiben und sein Glück zu machen. Seit kurzem geht Jäger Behre im übrigen einer Nebentätigkeit als freier "Kunsthändler" nach, wobei wir über den Inhalt der von ihm unter der Hand im Kameradenkreise vertriebenen Druckwerke mit schamroter Miene schnellstmöglich den Mantel des Schweigens decken möchten. Bei seinen vorteilhaften Zusatzgeschäften kommt Jäger Behre im Übrigen der Umstand zupass, dass er zwischenzeitlich als Hilfsschreiber des Kompanieauditeurs fungiert.




Jäger Harstick:

Jäger Harstick ist der Soldatenberuf ebenfalls nicht neu, da er während des Siebenjährigen Krieges in der Armee Herzog Ferdinands bereits einige Jahre bei den braunschweigischen Jägern zu Fuß gedient hat. Zu sehr später Stunde lässt er manchmal durchblicken, dass ihm dort schon eine Unteroffiziers- wenn nicht gar Offiziersstelle gewunken habe, wenn ihm nicht der Frieden von Hubertusburg einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Aufgrund dessen legt er gleich dem Oberjäger sehr viel Wert auf die Einhaltung des Reglements und soldatisches Auftreten und geht seinen Kameraden damit häufig auf die Nerven. Letzteres hat indes dazu geführt, dass Jäger Harstick vom Oberjäger für die Zeiten dessen dienstlich bedingter Abwesenheit mit dem Einexerzieren der neuen Rekruten nebst ihrer weiteren Ausbildung betraut worden ist. Obgleich er diese Aufgabe sehr ernst nimmt, ist Jäger Harstick nach Dienstschluss ein fröhlicher Geselle, der gerne Jägerlatein aus seiner Zeit im Forstdienst des Fürstbischofs von Münster zum Besten gibt und auch mal fünfe gerade sein lässt.




Jäger Heyden:

Jäger Heyden ist vom Lebensalter her zwar noch ein junger Kerl, mit mittlerweile sechs Dienstjahren in der braunschweigischen Armee jedoch ein erfahrener Soldat und ein echtes „Kind der Truppe“. Die Umsetzung des Reglements beherrscht er perfekt und ist damit der Augenstern seiner Vorgesetzten, die bisher mehr oder minder erfolgreich alles tun, um ihn von den unchristlichen Versuchungen des Soldatenstandes, namentlich des Glücksspiels, der Trunksucht und den Verlockungen heißblütiger Kokotten möglichst fern zu halten. Momentan sind Jäger Heyden solche Laster indes ziemlich gleichgültig, da er völlig davon durchdrungen ist, dass es endlich losgeht, damit er in den Kolonien „echte Wilde“ zu Gesicht bekommen kann, bevor der Krieg gegen die unbotmäßigen Rebellen schon vorbei ist. Dies glaubt zumindest der Oberjäger, auch wenn unbestimmten Gerüchten zufolge der Jäger Heyden durchaus weiß, wo der Bartel den Most holt und dabei selbst vor Standesgrenzen keinen Halt macht...




Jäger Hilgendag:

Jäger Hilgendag ist als Rekrut erst kürzlich zur Truppe gestoßen und befindet sich nunmehr inmitten seiner „Grundausbildung“. Jede Minute des Tages, die nicht mit anderen Dienstpflichten ausgefüllt wird, ist der Waffenkunde und dem Exerzierdienst gewidmet, worauf der Herr Oberjäger ein gar gestrenges Auge hat. Auch wenn Jäger Hilgendag sich das Jägerdasein etwas anders vorgestellt hat – mehr in Richtung Abenteuer, Ruhm, Beute, leuchtende Mädchenaugen usw. –, lässt er sich das Leben nicht verdrießen und vermeint mit der ihm eigenen trockenen Sachlichkeit, daß derjenige, der sich die Suppe eingebrockt habe, diese nun auch auslöffeln müsse. Ihm wurde nämlich zum Verhängnis, daß er nach Abschluß seiner im außerbraunschweigischen Ausland absolvierten Lehrzeit bei Rückkehr in seine Vaterstadt direkt einem Werbetrupp des Bataillons v. Barner in die Arme lief. Gedrückt von der Kenntnis, nunmehr im wirtschaftlich darniederliegenden Fürstentum auf Stellungssuche gehen zu müssen, lockte ihn die Aussicht auf ein schnelles Handgeld und sicheres Auskommen, zumal ihm die Jäger Behre und Harstick im Duett das Hohe Lied auf das sorglose Leben als Soldat im Allgemeinen und der Braunschweigischen Armee im Besonderen gesungen haben. Als dann noch der Herr Oberjäger das Handgeld in klingender Münze von einer Hand in die andere abzählte, derweil der offenkundig jüngste Soldat des Werbetrupps mit dem Kennerblick des erfahrenen Veteranen von seinen ständigen Erfolgen bei dem schönen Geschlecht – alles unter dem Siegel der Verschwiegenheit, natürlich – berichtete und dabei den Becher immer wieder mit kräftigem Rotspon auffüllte, war es passiert: Aus dem Kontorschreiber Hilgendag wurde der Jäger Hilgendag… "Nun ja, wer sich die Suppe eingebrockt hat, muss sie nun auch auslöffeln" (Zitat C. Hilgendag, März 1776).




Jäger Kuz:

Jäger Kuz ist das jüngste Mitglied der 2. Kompanie und verdankt seinen soeben in Canada vollzogenen schnellen Aufstieg vom Troßbuben zum gemeinen Jäger zuvörderst den Schreibkünsten und Verwaltungstricks eines nicht näher zu benennenden Schreibergehilfen, der ihn aus nicht ganz uneigennützigen Motiven einfach in die Mannschaftslisten des Bataillons v. Barner eingetragen hat. Unangefochten dessen ist Jäger Kuz mit Feuer und Flamme Soldat, lernt fleißig das Scharfschießen und übt in jeder freien Minute das Exerzierreglement rauf und runter. Damit hat der junge Rekrut auch gleich die Aufmerksamkeit des Oberjägers geweckt, der nunmehr alles daran setzt, dem „plietschen Jung“ noch vor dem Feldzug im Sommer sämtliche Notwendigkeiten des Kriegshandwerks zum erfolgreichen Überleben beizubringen.




Jäger Sepp:

Mit Jäger Sepp, den es aus unerfindlichen Gründen aus München in die braunschweigischen Reihen getrieben hat, ist das fröhliche Naturell des süddeutschen Menschenschlags Teil der Jägerkompanie geworden. Auch wenn das Wort Disziplin und der Befehl „Gebet acht“ nicht immer seine höchste Aufmerksamkeit finden, vermag ihm selbst der Oberjäger nicht lange gram zu sein. Nach Dienstschluss hält sich der Jäger Sepp zumeist in der Nähe der Marketenderei und der Kantiniers auf und nutzt seine guten Kontakte zu denselben, um manche Extraportion für die Kompanie zu ergattern.




Jäger Wagner:

Jäger Wagner als ältester Angehöriger der Kompanie sollte eigentlich längst sein redlich verdientes Ruhegeld genießen, nichtsdestotrotz hat er sich ein weiteres Mal zu den Fahnen gemeldet. Nach eigenen Angaben hat er den ganzen Siebenjährigen Krieg mitgemacht, böse Zungen behaupten allerdings, er sei auch schon im Spanischen Erbfolgekrieg mit dabei gewesen. Aufgrund seiner Lebenserfahrung und Altersweisheit ist er hoch anerkannt und wird bei Streitigkeiten unter den Mannschaften, sei es um Spielschulden, Frauengeschichten oder dienstliche Verfehlungen, immer wieder als Schiedsrichter hinzugezogen.




Jäger Werner:

Mit Jäger Werner, der zwar im Lande Braunschweig geboren wurde, dessen Vorfahren aber aus dem Gebiet um Königsberg stammen, haben auch die Eigenarten des ostpreußischen Volksschlages ihren Weg zu den braunschweigischen Truppen gefunden. Auch er war bereits während des Siebenjährigen Krieges einige Jahre Soldat und hat seit seiner ehrenvollen Entlassung sein durch den Krieg unterbrochenes Studium der Rechte abgeschlossen und zuletzt als Advokat in der Kanzlei seines Schwiegervaters in Schöppenstedt gearbeitet. Bedauerlicherweise befand er sich in einem jahrelangen Streit mit seiner zänkischen Schwiegermutter, der darin gipfelte, dass diese im Wege einer Petition die herzoglich-braunschweigischen Behörden darum bat, ihren „liederlichen“ Schwiegersohn unter die Soldaten zu nehmen und umgehend nach Amerika zu schicken. Des ständigen Gezänks überdrüssig, hat Jäger Werner die Gelegenheit genutzt und das gute Handgeld mit dem festen Vorsatz genommen, zukünftig seine Fähigkeiten nutzbringend zum eigenen Vorteil einzusetzen und in der Neuen Welt sein Lebensglück zu finden. Als alter Veteran ist er dem steten Tabakgenuss und einem gelegentlichen Spielchen nicht abgeneigt. Zur Zeit nimmt Jäger Werner nämlich Wetten an, welcher Vorgesetzte auf der Überfahrt als erster seekrank wird und über der Reeling hängt…


Hinweis: Die Veröffentlichung des mittleren Bildes erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Fotografen Niels Stappenbeck.



Kundschafter Wehe:

Kundschafter Wehe stammt ursprünglich aus dem in Personalunion mit dem britischen Königshaus eng verbundenen Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg oder auch Kurhannover, ist aber bereits in den 1740ern als junger Mann in die Amerikanischen Kolonien ausgewandert. Dort hat er als Grenzlandfarmer, Händler und Jäger im Mohawk-Tal und in den Adirondack Mountains ein hartes aber auch freies und abwechslungsreiches Leben geführt. Dank seiner zahlreichen ausgedehnten Jagdzüge und dem schwunghaften und einträglichen Handel mit den verschiedenen Indianerstämmen kennt Kundschafter Wehe zwischen dem Hudson und dem Mohawk River bis hinauf zum Lake Champlain jeden Steg und Weg wie seine eigene Westentasche. Selbiges führte dazu, dass er bereits während des „French and Indian War“ als Scout und Pfadfinder in der britischen Kolonialmiliz diente. Obgleich er sich nach dem Krieg für Politik grundsätzlich kaum interessierte, stieß ihn während der 1775 ausbrechenden Unruhen bereits frühzeitig die zunehmende Intoleranz der rebellischen „Patrioten“ ab, die schließlich in der alternativlosen Aufforderung „Join or die!“ gipfelte. Aufgrund seines gradlinigen Charakters äußerte er sich entsprechend und musste im Gegenzug am eigenen Leib erfahren, dass existenzvernichtende Repressalien gegenüber loyalistischen Andersdenkenden durchaus zum Instrumentarium der „Söhne der Freiheit“ gehören. Nach seiner anschließenden Flucht durch die Wildnis in den Norden ist er auf britischer Seite wieder als Scout tätig und hat sich aufgrund seiner deutschen Herkunft nunmehr dem Bataillon von Barner angeschlossen, wobei er der Jägerkompanie als ortskundiger Kundschafter zugeteilt worden ist.





Zivilpersonen



Mrs. Harstick:

Mrs. Harstick, früher Miss Bertram, stammt nach eigenen Angaben aus der Nähe von Boston, wo sie auf der elterlichen Farm aufgewachsen ist. Wie ihre gesamte Familie ist auch die frühere Miss Bertram eine glühende Loyalistin und treue Parteigängerin der Krone. Letzteres führte allerdings dazu, dass sie 1775/1776 während der Belagerung von Boston durch die Rebellen seitens „patriotischer“ Nachbarn der Spionage bezichtigt wurde und gerade noch die Flucht ergreifen konnte. Ihr Weg führte sie mittlerweile nach Quebec, wo sie sich als Näherin und Wäscherin den britisch-braunschweigischen Truppen angeschlossen hat. Dabei hat sie die Hoffnung, im Rahmen des mit Sicherheit siegreichen Feldzuges zurück zu ihrer Familie zu gelangen, von der sie seit ihrer Flucht nichts mehr gehört hat. Dank ihrer deutsch-stämmigen Mutter verfügt sie zudem über ausreichend Sprachkenntnisse, um die guten Verdienstmöglichkeiten, die ihr die Arbeit für das Braunschweigische Truppenkontingent bietet, auch weidlich nutzen zu können. Im Rahmen dieser Tätigkeit hat sie nach kurzer Zeit den Jäger Harstick kennen und lieben gelernt, mit dem sie zwischenzeitlich auch verheiratet ist. Da die Eheschließung mit Genehmigung des Kompaniechefs erfolgte, wird die jetzige Mrs. Harstick sogar offiziell als Soldatenfrau und Ehefrau eines Jägers in der Kompanieliste der Jägerkompanie geführt.




Frau Kuz:

Frau Kuz ist im Februar 1776 an der Seite ihres damaligen Mannes, eines langjährigen Dragoners im Regiment "Prinz Ludwig Ernst", mitsamt den beiden gemeinsamen Kindern mit der ersten Division nach Quebec aufgebrochen. Bedauerlicherweise ist ihr Mann bereits im Juli 1776 - wenige Wochen nach der Ankunft in Kanada - auf einem Erkundungsritt im Rahmen der ersten Kampfhandlungen spurlos verschwunden, so dass Frau Kuz und ihre Kinder mehr oder weniger mittel- und hilflos in Quebec festsaßen. Hinzu kam, dass sie - wie die meisten Frauen unterer Dienstgrade - nicht als Ehefrau in den offiziellen Regimentslisten geführt wurde, so dass sie vom Dragonerregiment auch keine konkrete Hilfe erwarten durfte. Zum Glück lief ihr beim Eintreffen der zweiten Division in Quebec am 17. September 1776 der ihr aus früherer Stellung bekannte Jäger Harstick über den Weg, der Frau Kuz aus alter Verbundenheit umgehende Hilfe versprach und sie dem in diesen Dingen äußerst findigen Jäger Behre vorstellte. Selbiger sorgte in seiner Eigenschaft als Schreibergehilfe des Kompanieauditeurs dann auch dafür, dass Frau Kuz nebst Kindern in der Kompanieliste der Jägerkompanie als Soldatenfrau und Hilfskraft offiziell geführt wird, wobei sich bis jetzt niemand die Mühe gemacht hat, zu überprüfen, ob der als dazugehörig in der Liste genannte D. Kuz tatsächlich der Mann oder nicht vielmehr der halbwüchsige Sohn von Frau Kuz ist. Da letzterer aber bereits teilweise in eine grüne Montur gesteckt worden ist, stimmen die tatsächlichen Mannschaftszahlen mit den offiziellen Kompanielisten eins zu eins überein und "nur das zählt am Ende", so Jäger Behre mit treuherzigem Augenaufschlag...




Marnie:

Marnie ist eine äußerst freundliche wenn auch nicht mehr ganz junge Hundedame, die eines Tages im Lagerbereich der Kompanie erschien und nie wieder ging. Auch wenn sie häufig in der Nähe der Lagerküche gesichtet wird - wo sie wahrscheinlich mittels persönlichen Einsatzes darüber wacht, dass keine Lebensmittel abhanden kommen - sieht man sie zumeist in Begleitung von Frau Kuz und dem Jäger Behre, der offensichtlich eine Seelenverwandte in der Hündin gefunden zu haben glaubt. So verbringt Marnie mit größtem Vergnügen die Tage unter dem Schreibpult des vorgenannten Hilfsschreibers, um selbigem bei dem ermüdenden Erstellen von endlosen Listen Gesellschaft zu leisten und gleichzeitig die Füße zu wärmen.




Soldaten und Heeresgefolge, Fulda, im August 2012






Ehemalige Kompanieangehörige



Jäger Müller zum Gedenken:

Jäger Müller ist ein alter Hase des Soldatenhandwerks. Der stoische Krieger mit dem Hang zu süffisantem Humor stammt ursprünglich aus Stade, dem jetzigen Einschiffungshafen der Braunschweigischen Truppen nach Amerika, und hat in der Vergangenheit schon so manchen Strauß mitgemacht. Nach dem Ende des Siebenjährigen Kriegs und seiner Entlassung aus den kurfürstlich-hannöverschen Truppen verschlug es ihn eine Zeitlang in den Mittelmeerraum, wo er in österreichischen und venezianischen Diensten und letztlich im Sold des Malteserordens die meiste Zeit über in den Kleinkrieg gegen die türkischen Osmanen verwickelt war. Der sich abzeichnende Krieg in Amerika gibt ihm Gelegenheit, seine aktuell ausgeübte Tätigkeit als Arztgehilfe hinter sich zu lassen und seiner Abenteuerlust ein weiteres Mal zu frönen. Zudem ist der Sold hoch und der Verdienst ausgezeichnet. Jäger Müller ist zum großen Leidwesen seiner Kameraden im Winterquartier 1776/1777 einer kurzen aber schweren Krankheit erlegen.



Oberjäger Lauszus:

Oberjäger Lauszus ist ein alter Veteran der Braunschweigischen Jägertruppen und hat bereits im Jahre 1759 als 17-Jähriger an der Schlacht von Minden teilgenommen. Als Oberjäger und damit Unteroffizier ist er für die Exerzier- und Waffenausbildung zuständig und sorgt – durchdrungen von Pflichtbewusstsein und Loyalität für die Sache des Herzogs – wie ein Vater für „seine“ Jäger. „Streng aber gerecht!“ ist seine Devise und manch leichter Stockschlag während der Ausbildung durchaus ein Hilfsmittel für den begriffsstutzigen Rekruten. Der Betroffene darf aber damit rechnen, nach Dienstschluss mit einem guten Schluck auf Rechnung des Ausbilders für die erlittene Unbill entschädigt zu werden. „Raue Schale, weicher Kern“ denken die Herren Jäger über ihren Unteroffizier und freuen sich, einen so gutmütigen und korrekten Vorgesetzten zu haben. Auf eigenen Wunsch wurde Oberjäger Lauszus kürzlich jedoch nach Quebec versetzt, wo er sich überwiegend um die ankommenden Rekrutentransporte und deren Ausbildung zu kümmern hat und sich nebenbei seiner jungen Familie widmen kann.




Mistress Blank:

Mistress Blank ist eine Loyalistin aus Boston-City, wo ihr Vater, ein ehemaliger britischer Sergeant und Veteran des "French and Indian War", als Zollbeamter für die Krone tätig gewesen ist. Im Zuge der Räumung der Stadt durch die britischen Truppen im März 1776 musste auch die loyalistische Familie Blank unter Zurücklassung ihrer sämtlichen Habe Hals über Kopf nach Kanada fliehen. Nachdem Vater und Bruder umgehend der britischen Armee als Soldaten beigetreten sind, versucht die jetzt auf sich allein gestellte Mistress Blank auf ihre Weise der Sache des Königs zu dienen. Folglich arbeitet auch sie für die von Kanada aus operierenden Verbände unter dem Oberbefehl von General „Gentleman Johnny“ Burgoyne, wobei sie überwiegend als Näherin und Wäscherin, zur Not aber auch als Hilfskraft des Feldschers tatkräftig mit anpackt. Gemeinsam mit Miss Bertram kümmerte sie sich bisher überwiegend um die Versorgung der Braunschweiger Hilfstruppen, zumal sie Dank einer langjährigen Bekanntschaft zu einigen deutschen Kolonistenfamilien über genügend Deutschkenntnisse verfügt. Nach ihrer Eheschließung mit dem Oberjäger Lauszus ist sie ihm allerdings mit der inzwischen geborenen gemeinsamen Tochter nach Quebec gefolgt.